Wildbienen-Vielfalt

Besonderheiten von Wildbienen

Wildbienen-Hügel in unserem Natur-Erlebnis-Garten (Foto: F. Durst)
Wildbienen-Hügel in unserem Natur-Erlebnis-Garten (Foto: F. Durst)

 Auf diesem Hügel wurden verschiedene Pflanzen angepflanzt, die vor allem Tierarten wie Wildbienen und Schmetterlingen als Futter und Nektarpflanzen dienen. Dabei wurde weniger darauf geachtet Pflanzenarten zu pflanzen, die nur einzelnen, sehr seltenen Art dienen, sondern möglichst vielen Arten als Ressource zu dienen.

Da auf dem vorherigen Hügel der Fokus auf die Raupen gelegt wurde, werden hier die verschiedensten Wildbienen-Arten und auch die Eigenschaften der Wildbienen allgemein thematisiert. 

Eigenschaften von Wildbienen

Spalten-Wollbiene auf Hornklee (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)
Spalten-Wollbiene auf Hornklee (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)

In Deutschland leben etwa 580 Wildbienenarten aus verschiedenen Familien, darunter unter anderen Furchen-, Sand-, Mauer-, Woll- und Pelzbienen sowie Hummeln. Diese sind teilweise auf bestimmte Pflanzen einer Art oder Gattung spezialisiert, ernähren sich also mono- beziehungsweise oligoelektisch. Dadurch besteht oft eine enge Beziehung zwischen den Bestäubern und den Pflanzen. Geht die Pflanzenart zurück oder stirbt sogar aus, kann das der Bienenart genauso ergehen und umgekehrt.

Aufgrund von Nahrungs- und Nistplatzknappheit sowie dem Einsatz von Pestiziden in Gärten und Agrarflächen geht die Artenzahl der Wildbienen immer weiter zurück. Dadurch ist etwa die Hälfte der heimischen Wildbienenarten vom Aussterben bedroht

 

Den meisten Menschen allgemein bekannt ist die Honigbiene (Apis mellifera). Diese kann Honig herstellen und die verschiedensten, auch nicht heimischen Pflanzenarten bestäuben. Außerdem ist sie eine soziale Art, das heißt sie lebt in Staaten. 

Dagegen leben die meisten Wildbienenarten, abgesehen von Hummel- und einigen Furchenbienenarten solitär, das heißt alleine. So bauen die Wildbienen Weibchen ihre Brutplätze meistens ohne Hilfe von Artgenossen.

Dabei sind die Nistplätze der Wildbienen so verschieden wie die Arten selbst. Manche Arten nisten in Schneckenhäusern, Totholz, Schilfstängeln oder anderen Hohlräumen. Der Großteil, nämlich 75 Prozent der Wildbienen nistet allerdings in der Erde.

Da Wildbienen nicht in Staaten leben, müssen die Wildbienenweibchen sogenannte Pollenbrote zu den Eiern legen. Diese bestehen aus Nektar und Blütenstaub. Sie versorgen die geschlüpften Larven bis die adulten Bienen aus den Kokons schlüpfen.

 

Die Stacheln der Bienen haben sich im Laufe der Evolution aus den Legebohrern entwickelt, die zur Eiablage nötig waren. Deshalb besitzen ausschließlich weibliche Bienen einen Stachel. Da die Stacheln der Wildbienen keine Widerhaken besitzen, sterben die Wildbienen im Gegensatz zu Honigbienen nicht, wenn sie stechen und können sogar mehrfach zustechen. Manche Wildbienenarten besitzen außerdem sehr weiche Stacheln und können mit diesen nicht die menschliche Haut durchstechen.

 

Beispiele verschiedener Wildbienenfamilien und deren Besonderheiten

Ackerhummelnest im Erdboden (Foto: A. Hartl LBV-Bildarchiv)
Ackerhummelnest im Erdboden (Foto: A. Hartl LBV-Bildarchiv)

Hummeln (Bombus)

Hummeln wohnen in unterirdischen Nestern, wie zum Beispiel verlassenen Mäuselöchern. Sie leben in Familien und kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. 

Zu den häufigsten Hummelarten bei uns zählen Erdhummel (Bombus terrestris), Steinhummel (Bombus lapidarius), Ackerhummel (Bombus pascuorum), Bunthummel (Bombus sylvarum), Baumhummel (Bombus hypnorum), Wiesenhummel (Bombus pratorum) und Gartenhummel (Bombus hortorum).

Die verschiedenen Arten lassen sich unterschiedlich leicht voneinander unterscheiden. Um die Hummeln in unserem Natur-Erlebnis-Garten oder bei ihnen zu Hause zu bestimmen, können sie diese Hinweise und auch die folgenden Bilder nutzen:

 

Erdhummel: schwarz mit zwei gelben Streifen und einer weißen Hinterleibspitze.

Gartenhummel: schwarz mit drei gelben Streifen und einer weißen Hinterleibspitze.

Steinhummel: samtschwarzer Körper mit leuchtend roter/orangener Hinterleibspitze.

Wiesenhummel: rote Hinterleibspitze, der restliche Körper gelbe Streifen.

Ackerhummel: orangenen Rücken und ein heller Hinterleib. 

Baumhummel: orangenen Rücken und der Hinterleib schwarz mit weißer Spitze.

Bunthummel: sehr bunt gefärbt,  Hinterleib orange und gelb gestreift, und der Rücken gelbe Streifen. 

 

Furchenbienen (Halictus und Lasioglossum)

Gemeine Furchenbiene auf Vergissmeinnicht (Foto: Dr. E. Pfeuffer LBV-Bildarchiv)
Gemeine Furchenbiene auf Vergissmeinnicht (Foto: Dr. E. Pfeuffer LBV-Bildarchiv)
  • beide Gattungen bilden zusammen die Furchenbienen und leben teilweise in Familien also eusozial
  • besitzen eine kleine Rille an Hinterleibsspitze 

 

Blutbienen (Sphecodes)

Große Blutbiene an Weidenblüte (Foto: Dr. E. Pfeuffer  LBV-Bildarchiv)
Große Blutbiene an Weidenblüte (Foto: Dr. E. Pfeuffer LBV-Bildarchiv)
  • leuchtend rotes Abdomen
  • kaum Körperhaare, da keine Pollen gesammelt werden
  • zählt zu den Kuckucksbienen. Nutzt andere Arten zur Aufzucht der Jungen

Maskenbienen (Hylaeus)

Rainfarn-Maskenbiene auf Flockenblume  (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)
Rainfarn-Maskenbiene auf Flockenblume (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)
  • eine sehr ursprüngliche Art
  • besitzt ein gelbes oder weißes Gesicht
  • transportieren ihren Pollen im Mund, wodurch sie keine Pollenhärchen benötigen und kaum behaart sind
  • meist einen schwarzen Körper mit ganz leichten weißen Sprenkeln

 

Hosenbienen (Dasypoda)

Hosenbiene auf Wegwarte (Foto: H. Seiß)
Hosenbiene auf Wegwarte (Foto: H. Seiß)
  • sehr haarige Beine, die an eine Hose erinnern
  • bodennistend
  • heimische Hosenbienenarten ernähren sich oligoelektische, das heißt dass sie auf eine Art oder Gattung spezialisiert sind

Langhornbienen (Eucera)

Langhornbiene auf Wiesen-Platterbse (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)
Langhornbiene auf Wiesen-Platterbse (Foto: J. Wittmann LBV-Bildarchiv)
  • besitzen besonders lange Fühler, die auch als Hörner bezeichnet werden
  • nisten in der Erde

 

Pelzbienen (Anthophora und Amegilla)

Gemeine Pelzbiene an Garten-Blaukissen (Foto: M. Bosch LBV-Bildarchiv)
Gemeine Pelzbiene an Garten-Blaukissen (Foto: M. Bosch LBV-Bildarchiv)
  • erinnern äußerlich oft an Hummeln
  • nisten in Böden und morschem Holz
  • leben solitär

Außergewöhnliche Wildbienenarten

Mohn Mauerbiene 

(Hoplitis papaveris)

Mohnmauerbiene am Nesteingang (Foto: S. Bartschat LBV-Bildarchiv)
Mohnmauerbiene am Nesteingang (Foto: S. Bartschat LBV-Bildarchiv)
  • gehört zur Familie der Mauerbienen
  • Nahrungspflanzen: Kornblumen, Ackerwinden und Glockenblumen
  • nutzt die Blütenblätter der Mohnblüte um ihre Niströhre auszukleiden. Der genaue Hintergrund konnte aber noch nicht erforscht werden
  • sehr gefährdete Bienenart

Zweifarbige Schneckenhausbiene

(Osmia bicolor)

Zweifarbige Schneckenhausbiene am Nesteingang (Foto: M. Lohr LBV-Bildarchiv)
Zweifarbige Schneckenhausbiene am Nesteingang (Foto: M. Lohr LBV-Bildarchiv)
  • ähnlich wie Steinhummel, aber kleiner
  • legt Eier mit Pollenbroten in Schneckenhäuser ab
  • verschließen Schneckenhäuser mit ihrem Mörtel

Große Holzbiene 

(Xylocopa violacea)

Große Holzbiene an Muskatellersalbei (Foto: R. Wittmann LBV-Bildarchiv)
Große Holzbiene an Muskatellersalbei (Foto: R. Wittmann LBV-Bildarchiv)
  • eine der größten Bienenarten in Europa
  • bläulich schillernde Flügel
  • nistet in Totholz

Äußerlich ähnliche Arten, die aber keine Bienen sind

Wie man anhand der oberen Beispiele erkennen kann, sehen die verschiedenen Wildbienenarten sehr unterschiedlich aus und nicht wie die allgemein bekannte Honigbiene. So ähneln Schwebfliegen und Wespen, mit ihren gelben und schwarzen Streifen, dem stereotypischen Bienenbild mehr als die meisten Wildbienen. Das Phänomen das ein Tier so aussieht wie ein gefährliches Tier, obwohl es selbst ungefährlich ist nennt man Mimikry.

Schwebfliegen 

  • zählen zu den Fliegen
  • haben keinen Stachel und können also auch nicht stechen
  • wichtige Bestäuber
  • haben nur 2 Flügel 
  • können zum Beispiele als Schädlingsbekämpfer dienen, da sich die Larven teilweise von Blattläusen ernähren

Wespen

  • haben einen Stachel, mit dem sie mehrfach zustechen können
  • Echte Wespen und Feldwespen gehören zu Faltenwespen, doch auch Grabwespen wie der Bienenwolf zählen dazu
  • Echte Wespen leben oft sozial, also in Staaten
  • eine Unterart: Die Hornisse